Bildräume

Die Geschichte der Malerei ist auch eine Geschichte der Bildräume. Die für die Kunstgattung Malerei charakteristische Herausforderung, die räumliche Welt auf einem flächigen Bildträger überzeugend darstellen zu können, beschäftigte die Maler spätestens seit dem frühen 15. Jahrhundert.

Lange wurden Figuren und Szenen vor einem enträumlichten Gold- oder Farbgrund wiedergegeben, die Darstellungen konzentrierten sich auf das Bildpersonal und die von ihnen verkörperten Werte und Botschaften. Doch im Laufe des Mittelalters strebten die Maler vermehrt danach, durch kohärente und naturalistisch wirkende Bildräume die Bildinhalte, vor allem das christliche Heilsgeschehen, in bekannten Lebenswirklichkeiten zu verorten und für überzeitlich und ortsungebunden gültig zu erklären. Erste dahingehende Gehversuche, von denen einige der hier gezeigten Exponate wie die Eggelsberger Altartafeln zeugen, waren noch von Erfahrungswerten und Bedeutungsperspektiven geprägt. Zueinander gekippte und verdrehte Architekturfragmente, perspektivisch inkorrekt aufgeklappte Bildarchitekturen und die Konzentration auf die dem Bildpersonal dienenden Funktion der gemalten Bauwerke kennzeichnen diese Phase.

Die mathematisch-geometrischen Perspektivstudien des 15. Jahrhunderts, die insbesondere von Malern und für Maler in Italien betrieben wurden, stellten ein neues Instrumentarium bereit, mit dem die Künstler eine überzeugende Wiedergabe der Welt erreichen konnten. Architektur wurde in der Folge nicht nur zu einem eigenständigen Bildinhalt, Bildräume sind nun auch keine abstrakten, schaukastenartigen Handlungsverortungen mehr, sondern Erlebnis- und Erfahrungsräume, die in ontologischer Eigenmächtigkeit und mit neuer sinnlicher Intensität das Publikum ansprechen.

Diese Darstellung zeigt eine Heilige, die auf einem Thron sitzt, mit einem Buch und einem Engel, in einem stillen, inspirierten Moment.

Unbekannter Künstler, Jungfrau aus einer Verkündigung, 1. Viertel 15. Jh., Öl und Tempera auf Holz, 39 x 33 cm, Inv. Nr. G 2. OÖLKG, Sammlung Kunst- und Kulturgeschichte bis 1918

Eine Gruppe von Männern aus dem Mittelalter steht in einer lebhaften Diskussion mit einem älteren Mann, während sie kostümierte Kleidung tragen.

Unbekannter Künstler, Verhör des heiligen Florian, 1. Viertel 16. Jh., Öl und Tempera auf Holz, 59.5 x 39 cm, Inv. Nr. G 2. OÖLKG, Sammlung Kunst- und Kulturgeschichte bis 1918

Das Bild zeigt die Verkündigung, mit der Jungfrau Maria und dem Engel Gabriel in einer religiösen Szene. Goldene Hintergründe und feine Details sind sichtbar.

Unbekannter Künstler, Verkündigung vom Eggelsberger Altar, 4. Viertel 15. Jh., Öl und Tempera auf Holz, 131 x 109 cm, Inv. Nr. G 60. OÖLKG, Sammlung Kunst- und Kulturgeschichte bis 1918

Die Heilige Familie mit Engeln und Hirten in einer traditionellen Krippenszene.

Unbekannter Künstler, Geburt Christi vom Eggelsberger Altar, 4. Viertel 15. Jh., Öl und Tempera auf Holz, 131 x 109 cm, Inv. Nr. G 61. OÖLKG, Sammlung Kunst- und Kulturgeschichte bis 1918

Das Gemälde zeigt die Heilige Familie mit dem neugeborenen Jesus, umgeben von den drei Weisen aus dem Morgenland.

Unbekannter Künstler, Anbetung der Könige vom Eggelsberger Altar, 4. Viertel 15. Jh., Öl und Tempera auf Holz, 131 x 109 cm, Inv. Nr. G 62. OÖLKG, Sammlung Kunst- und Kulturgeschichte bis 1918

Eine detailreiche Innenansicht mit einem dekorativen Brunnen und gotischen Fenstern, die eine ruhige und elegante Atmosphäre schaffen.

Hans Hueber, Kircheninterieur, Mitte 19. Jh., Öl auf Leinwand, 43 x 37.5 cm, Inv. Nr. G 1105. OÖLKG, Sammlung Kunst- und Kulturgeschichte bis 1918

Eine dramatische Szene, in der Moses als Baby von der Königin gefunden wird, umgeben von Menschen im antiken Stil.

Gerard de Leraisse, Anbetung der Könige, 2. Hälfte 17. Jh., Öl auf Leinwand, 167 x 171.7 cm, Inv. Nr. 1638. OÖLKG, Sammlung Kunst- und Kulturgeschichte bis 1918

Eine lebhafte Szene in einer Gaststätte, wo ein Streit zwischen zwei Männern ausbricht, während andere Gäste beobachten und ein Hund zuschaut.

Eduard Schulz-Briesen, Bauernrauferei, 4. Viertel 19. Jh., Öl auf Leinwand, 136.5 x 218 cm, Inv. Nr. G 1637. OÖLKG, Sammlung Kunst- und Kulturgeschichte bis 1918

Ein detaillierter Blick auf die aus Holz gefertigte Empore, die kunstvoll dekorierten Bögen und das Licht, das durch die Fenster strömt.

Henriette von Pausinger, Chorempore der Pfarrkirche Vöcklamarkt, 1842, Aquarell auf Papier, 33.5 x 25.4 cm, Inv. Nr. OA II 397/1. OÖLKG, Grafische Sammlung