Unsere Geschichte erforschen
Denkt man an ein Museum, kommen einem zunächst seine Architektur, seine Ausstellungen oder bekannte Persönlichkeiten in den Sinn. Seine Geschichte steckt jedoch vor allem in seinen Sammlungen: in den Objekten und ihren Herkunftsgeschichten, in den (vielleicht auch weniger bekannten) Menschen dahinter, die sie gesammelt, erforscht und ausgestellt haben sowie in den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen, die das Museum präg(t)en.
Die OÖ Landes-Kultur GmbH erforscht deshalb die Institutions- und Sammlungsgeschichte des Oberösterreichischen Landesmuseums. Woher kommen unsere Objekte? Wie und unter welchen Umständen gelangten sie in die Sammlungen? Wer entschied, was gesammelt und ausgestellt wurde? Welche Personen, Netzwerke und historischen Ereignisse prägten das Museum? Welche Konsequenzen ziehen wir aus den Erkenntnissen?
Woher kommen unsere Objekte?
Unsere Sammlungen sind über Generationen gewachsen. Jedes Objekt hat nicht nur eine materielle oder kunst- und kulturhistorische Bedeutung, sondern kann auch eine Geschichte seiner Herkunft und seiner Wege in das Museum erzählen.
Die Provenienzforschung rekonstruiert diese Wege. Sie untersucht frühere Eigentums- und Besitzverhältnisse, Erwerbungen, Schenkungen sowie Transfers und fragt nach den historischen Bedingungen, unter denen Objekte ihre Besitzer:innen wechselten und letztlich in unsere Sammlung gelangten. Mehr dazu
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei jenen Bereichen, in denen ungleiche Machtverhältnisse, Gewalt, Verfolgung, Enteignung – etwa im kolonialen Kontext oder während der Zeit des Nationalsozialismus – eine Rolle spielten. Provenienzforschung hilft uns, die Entstehung und Entwicklung unserer Sammlungen insgesamt besser zu verstehen, indem sie die beteiligten Personen und ihre zeitgenössichen Kontextbedingungen in den Fokus nimmt. Dies führt uns zur nächsten zentralen Frage:
Wer macht Museum?
Museen werden von Menschen geprägt. Deshalb erforschen wir die Biografien jener Personen, die für das Oberösterreichische Landesmuseum tätig waren, seine Sammlungen aufgebaut, wissenschaftliche Schwerpunkte gesetzt oder Ausstellungen gestaltet haben.
Gleichzeitig untersuchen wir ihre Netzwerke und ihr gesellschaftliches, politisches und wissenschaftliches Umfeld. So entsteht Schritt für Schritt ein differenzierteres Bild davon, wie sich das Museum in der Zeit seines Bestehens entwickelt und verändert hat und welche Vorstellungen, Entscheidungen und historischen Umstände seine Entwicklung bestimmten.
Geschichte in Bewegung
Die Forschung zur Institutions- und Sammlungsgeschichte verstehen wir als kontinuierlichen Prozess, als dauerhafte Aufgabe und wesentlichen Bestandteil unserer Museumsarbeit. Archive werden neu erschlossen, historische Inventare und Korrespondenzen ausgewertet, Objektgeschichten und Biografien rekonstruiert, neue Erkenntnisse gewonnen und bestehendes Wissen überprüft und ergänzt.
Die Geschichte eines Museums wird nicht von einer Institution, einer Person oder einer Generation allein geschrieben. Sie setzt sich aus einer Vielzahl von Quellen, Objekten, Erinnerungen sowie unterschiedlichen Perspektiven zusammen und ist daher stetig in Bewegung.
Wissen teilen, Wissen nutzen
Die Erforschung der eigenen Geschichte ist für uns untrennbar mit dem Anspruch von Transparenz verbunden. Deshalb machen wir neue Erkenntnisse nach Möglichkeit öffentlich zugänglich und suchen den Austausch mit Wissenschaftler:innen, Institutionen, Initiativen und Menschen, die über ergänzende Informationen verfügen oder selbst Fragen zum Thema haben. Stellen wir unrechtmäßige Erwerbsumstände fest, versuchen wir gemeinsam mit den Betroffenen und möglichen Anspruchsberechtigten faire und gerechte Lösungen zu finden.
Kontakt
Haben Sie Selbst Hinweise oder Fragen zu Personen, Objekten oder historischen Zusammenhängen in Verbindung mit unserer Institutions- und Sammlungsgeschichte?
Wir freuen uns über den Austausch unter:
sammlungsgeschichte@ooelkg.at