Do It Yourself!
Ein Motto, zwei Ausstellungen
–31.10.26
Der Sumerauerhof in St. Florian widmet sich 2026 unter dem Motto „Do It Yourself!“ zwei Ausstellungsschwerpunkten. Im Mittelpunkt stehen einerseits Formen des Selbermachens in Vergangenheit und Gegenwart, andererseits die Möglichkeiten, wie Natur im unmittelbaren Lebensumfeld aktiv und verantwortungsvoll gestaltet werden kann. So wird der Sumerauerhof 2026 zu einem Ort, an dem Geschichte, Gegenwart und Zukunft in einen produktiven Austausch treten.
Mit seinen vielfältigen Angeboten bietet der historische Hof den Besucher:innen ein ganzheitliches und nachhaltiges Erlebnis, das die Bedeutung der Landwirtschaft und des ländlichen Lebens in der heutigen Zeit aufzeigt.
Mehr zum Naturprogramm
Selbermachen früher und heute
Selbermachen ist ein uraltes Prinzip – und zugleich aktueller denn je. Über Jahrhunderte war es selbstverständlich, Dinge mit den eigenen Händen herzustellen, zu reparieren, weiterzugeben oder mehrfach zu verwenden. Kleidung wurde geflickt oder umgenäht, Werkzeuge instandgesetzt, Haushaltsgegenstände ausgebessert und Materialien so lange genutzt, bis sie wirklich unbrauchbar waren. Selbermachen war Teil des Alltags, Ausdruck handwerklicher Fertigkeiten oder oft eine schlichte Notwendigkeit.
Schon früh wurde das Selbermachen auch ideologisch aufgeladen. Der Pädagoge Rudolf Zacharias Becker formulierte 1788 den vielsagenden Satz: „Selbst gesponnen, selbst gemacht, Rein dabei – ist Bauern=Tracht.“ Darin spiegelt sich ein Ideal von Tugend, Fleiß, Genügsamkeit und Autarkie. Das Selbermachen wurde zum Gegenbild von Luxus, Verschwendung und Abhängigkeit von importierten Waren. Es konnte als gesellschaftliches und politisches Programm verstanden werden, das ländliche Selbstversorgung romantisierte und zugleich normierte.
Im 20. Jahrhundert veränderten sich die Bedingungen des Selbermachens. Vieles verlagerte sich in Schule, Haushalt und Freizeit. „Handarbeit“ und „Heimwerken“ prägten Generationen, meist in klar geschlechtsspezifischer Zuordnung. Gleichzeitig blieb das Improvisieren in Krisen- und Mangelzeiten unverzichtbar. Objekte aus der Zwischenkriegszeit, den Kriegsjahren und der unmittelbaren Nachkriegszeit erzählen davon, wie eng Nachhaltigkeit und Not miteinander verbunden sein konnten. Heute erlebt „Do It Yourself!“ erneut eine Konjunktur: Repair-Cafés, Näh-Cafés, offene Werkstätten und Online-Tutorials machen Selbermachen zum Ausdruck von Kreativität und Gemeinschaft.
Die Ausstellung nähert sich diesem Themenfeld aus unterschiedlichen Perspektiven. Der Auftakt „Vom Tretkurbelrad zur Bike Kitchen“ spannt einen Bogen von einem hölzernen Fahrrad aus Ebensee (um 1870), das aus Mangel an leistbaren Alternativen entstand, zu einem zeitgenössischen Freakbike aus einer offenen DIY-Werkstatt. Unter dem Titel „Selbstgemacht – ein Mythos!?“ geht die Ausstellung einer populären Vorstellung nach: dem sogenannten Bauernmöbel. Auch wenn diese Stücke meist nicht von Bauern selbst hergestellt wurden, können die Techniken der Bemalung heute weiterhin ganz einfach erlernt und angewendet werden.
Der Schwerpunkt „Selbermachen im Bild“ zeigt eine nach dem Zweiten Weltkrieg erworbene Fotosammlung bäuerlicher Selbstversorgung, deren Aufnahmen vom Verschwinden bedrohte Praktiken dokumentieren. Flachsanbau und -verarbeitung, Spinnen, Brotbacken, Mostherstellung, Besenbinden, Zaunringflechten oder die Ernte verschiedener Feldfrüchte sind zu sehen. Doch wie authentisch sind die oft inszenierten Aufnahmen, und welche Bilder von Heimat und Identität schreiben sie bis heute fort?
Ein zentrales Thema ist das Reparieren: Vom Rastelbinder über geflickte Alltagsgegenstände bis hin zur Reparaturtechnik Kintsugi wird deutlich, dass Instandsetzen eine Haltung gegenüber Dingen ausdrückt. Heutige Repair-Cafés – etwa jenes in St. Florian – führen Reparieren als gemeinschaftliche und nachhaltige Praxis fort. Der Abschnitt „Do it together!“ macht schließlich deutlich, dass Selbermachen häufig kollektives Tun ist – und dass dort, wo viele Hände zusammenwirken, mehr entsteht.
Natur aktiv gestalten
Wie sieht ein „Garten des Grauens“ für Tiere aus – und was macht einen Lebensraum artenreich? Die Natur-Ausstellung führt in drei Innenräumen und einem Outdoor-Rundgang durch Hecke, Wiese, Steinmauer und Totholz. Tierpräparate zeigen, welche Tiere diese Strukturen brauchen und wie alltägliche Entscheidungen – vom perfekt getrimmten Rasen bis zu versiegelten Flächen – die Tierwelt beeinflussen. Draußen veranschaulicht ein Rundgang konkrete Artenschutzmaßnahmen, die sich auch zuhause umsetzen lassen.
Österreich zählt zu den artenreichsten Ländern Mitteleuropas. Unterschiedliche Landschaften, Höhenlagen und Klimazonen schaffen vielfältige Lebensräume – von den Alpen bis ins Flachland. Doch diese Vielfalt gerät zunehmend unter Druck. Straßenbau, Siedlungswachstum, intensive Landwirtschaft und der Klimawandel lassen Lebensräume schrumpfen und zerschneiden sie. Viele Tier- und Pflanzenarten gehen zurück. Diese Entwicklung zeigt sich nicht nur in Schutzgebieten oder entlegenen Landschaften, sondern unmittelbar vor der Haustür.
Schottergärten, sterile Rasenflächen, versiegelte Böden, immergrüne Monokulturen, Pestizide, grelles Nachtlicht, Laubbläser oder Rasenroboter stehen exemplarisch für Formen der Gestaltung, die Natur ordnen, kontrollieren oder verdrängen, anstatt mit ihr zu arbeiten. Solche „Gärten des Grauens“ erscheinen gepflegt und praktisch, sind für Tiere und Pflanzen jedoch oft lebensfeindlich.
Dem setzt die Ausstellung konkrete Gegenbilder entgegen. Wichtige Lebensräume werden vorgestellt, doch auch deren Bewohner:innen sind in Form von Tierpräparaten präsent: Von Säugetieren wie Igel, Siebenschläfer oder Fledermäusen über Reptilien und Amphibien bis hin zu einer großen Vielfalt an Vögeln und Insekten. Ein Quiz lädt dazu ein, das Außengelände mit Blumenwiesen, offenem Ziegelwerk, Schwalbennestern, Habitatbäumen und Totholzhaufen spielerisch zu erkunden.
Kuratiert von Hannah Konrad
| Geöffnet von | 26.04. – 31.10.26 |
| April - September | Do-So, Fei: 10:00-18:00 |
| Oktober | Do-So, Fei: 10:00-16:00 |
| Tag der offenen Tür | So, 26.04.26, ab 10:00 |
Medienpartner
